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Freies soziales Jahr

 

„Ich hätte viel lieber die Zivis behalten“ – gewohnt ehrlich und deutlich sagt Klaus Aderhold seine Meinung darüber, dass sich die Bundesregierung Hals über Kopf von der Wehrpflicht und damit auch vom Ersatzdienst verabschiedet hat. Dennoch sind es gleich zwei Wittgensteiner Jungs, die seit Anfang August ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Freizeitzentrum Wemlighausen absolvieren. Zum einen der Birkelbacher Andreas Dreisbach, zum anderen der Wingeshäuser Julian Fischer, beide sind 19 Jahre alt.

Für Andreas Dreisbach soll jetzt das Jahr nach seinem Abitur dazu dienen, um sich Gedanken zu machen, ob er eine kaufmännische Ausbildung machen will oder vielleicht doch lieber Stadt- und Raumplanung studieren möchte. Er hätte sich schon lange auf Zivildienst eingestellt, deshalb seien die rasanten Entwicklungen bei dessen Abschaffung für ihn überraschend gekommen. Wobei der junge Mann sehr deutlich macht, dass er die schnelle Entscheidung zur Aussetzung des Wehrdienstes nicht für richtig hält: Er finde es gut, wenn man nach der Schulzeit etwas für die Allgemeinheit tue. Und die Entscheidung für Wemlighausen habe er schon vor längere Zeit gefällt, denn auch wenn er zu einem der wenigen Konfirmanden-Jahrgänge aus Birkelbach gehört habe, der nicht im Freizeitzentrum gewesen sei, so hätten doch bereits ein Freund und ein Cousin von ihm hier ihren Zivildienst abgeleistet - und seien davon sehr angetan gewesen. Julian Fischer hatte das Freizeitzentrum vor anderthalb Jahren besucht, als Schüler der Höheren Handelschule. Erlebnispädagogik stand damals auf dem Stundenplan, die ja in Wemlighausen vielfältig angeboten wird. Er habe nach seinem Schulabschluss am Berleburger Berufskolleg keine passende Ausbildungsstelle gefunden, wollte aber trotzdem eine sinnvolle Arbeit machen. Und da sei ihm das Freizeitzentrum eingefallen. Er hoffe, hier im sozialen Bereich etwas zu lernen. Vielleicht könnte das ja auch die Richtung sein, in der sich dann später eine Lehrstelle suche. Er wolle dieses Arbeitfeld jetzt einfach besser kennenlernen.

Da trifft es sich gut, dass für Klaus Aderhold das Umschwenken von Zivi auf FSJler mit einer inhaltlichen Akzentverschiebung einher gehen soll: „Für mich soll sich das FSJ deutlich von der Zivi-Arbeit unterscheiden, es liegt jetzt ein viel, viel größerer Schwerpunkt auf der Pädagogik.“ Die Freiwilligen hätten künftig mehr mit Menschen zu tun als früher die Zivis. Wie sehr im die fehlten, das habe er übrigens in dem vergangenen Monat – nach den Zivis und noch vor den FSJlern – gemerkt: „Da ist mir aufgefallen, was man eigentlich an den Zivis hatte.“ Bei tausend Kleinigkeiten, wie etwa dem abendlichen Abschließen. Und den Abschied von den Zivildienstleistenden ordnet der FZ-Geschäftsführer wieder unverblümt ein: „Es war keine schmervolle Trennung, eher eine ärgerliche.“ Das sei doch alles „mit heißer Nadel gestrickt“, jeden Tag gebe es von offizieller Seite etwas Neues für die Abläufe: „Hier hat der Staat seine Hausaufgaben nicht gemacht.“ Und dabei nervt ihn noch etwas viel Grundsätzlicheres, nämlich die Motivation des Staates: Es gehe doch nicht um Soziales und leider auch nicht um die Jugendlichen selbst, sondern darum, Geld zu sparen. Für den aktiven CVJMler ein gleichermaßen falscher wie auch schwer erträglicher Ansatz.

Die jungen Leute dürfen im Monat bis zu 330 Euro verdienen, dazu kommt ein Fahrgeld-Anteil. Er selbst, so Klaus Aderhold, habe nicht den Eindruck, dass es in vielen Dienststellen schon FSJler oder Bufdis – das sind die, die Bundesfreiwilligendienst machen – gebe. Auch wenn es für ihn als Christen keine Zufälle gebe, so empfinde er es schon ein Stück weit als Glück, gleich zwei FSJler zu haben. Vielleicht auch, weil sich das FZ bei seinen insgesamt und genau 100 Zivildienstleistenden seit 1977 einen guten Ruf erarbeitet habe. Er sei einfach sehr dankbar dafür und froh darüber. Und letztendlich gelte auch für das unbekannte Terrain „Freiwilliges Soziales Jahr“: „Neue Wege sind Herausforderungen, keine Probleme.“




Das FSJ im Freizeitzentrum Wemlighausen ist vielseitig und interessant. Sie arbeiten selbstständig / im Team als Hausmeister. Landschaftspflege, Reparaturen, Bau von neuen (Holz-)Spielgeräten und helfen in der Küche.

Wir sind ständig auf der Suche nach neuen FSJlern. Informieren Sie sich bitte bei uns.


Workcamp
Zweimal im Jahr arbeiten Freiwillige und Ex-Zivis noch einmal im Freizeitzentrum. Neben größeren Arbeiten steht natürlich auch Unterhaltung und Spaß auf dem Programm. Informationen zum nächsten Workcamp können Sie hier anfordern.

Fotos gibt es in der Bildergalerie.

 

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